LEBENSBILDER 18

 

notiert im März 2026

 

ERINNERUNGEN

 

Ganz anders war der Alltag in den Dreissiger-, Vierziger- und Fünfzigerjahren als er heute ist. Davon erzählen diese Geschichten:

 

 

Exklusive Kundschaft

«Ich machte in Montana eine Lehre als Schuhverkäuferin. Unser Geschäft war auf die wohlhabenden Gäste aus aller Welt ausgerichtet. Kam eine Berühmtheit ins Geschäft, so hiess das für uns Verkäuferinnen, den Herrschaften ihre Wünsche zu erfüllen und Schachtel um Schachtel zu holen. Waren die Kunden gegangen, lagen Berge von Schuhen da: Pumps, Abendschuhe, Schuhe mit hohen Absätzen oder was immer gewünscht wurde. Wir kamen kaum nach mit Wegräumen.

Einmal kam Jean-Paul Belmondo zu uns, der französische Schauspieler. Er wollte Schlittschuhe kaufen und gab an, er brauche entweder Grösse 41 oder 42. Er probierte viele Modelle, ganz so, wie wir es gewohnt waren. Als schon eine ganze Menge Schlittschuhe um ihn herum am Boden lag, deutete er auf die Schuhe, die er an den Füssen hatte und sagte, er wolle diese. Ich packte sie ein, er bezahlte und verliess das Geschäft.

Als die vielen herumliegenden Schuhe endlich wieder in die Schachteln eingeordnet waren, blieben eine Nummer 41 und eine 42 zurück. Folglich hatte Monsieur Belmondo zwei verschiedene Schuhe gekauft. Unser Schuhmacher legte dann in den grösseren Schuh unsichtbar eine Sohle hinein und das Paar wurde als Nummer 41 verkauft. Vom Kunden hörten wir nichts.

Die italienische Schauspielerin Gina Lollobrigida probierte weisse Stiefeletten mit einer aufgenähten Schnalle. Sie wollte sie eigentlich kaufen, aber die Schnalle gefiel ihr nicht. Unsere Chefin wies den Schuhmacher an, die Schnalle wegzunehmen. Er führte diesen Auftrag fachgerecht aus. Als die Lollobrigida wieder kam, probierte sie die Stiefeletten noch einmal und meinte dann, sie wolle sie lieber mit der Schnalle.

Brigitte Bardot kaufte Abendstiefeletten mit Pailletten. Diese wollte sie aber in einer anderen Farbe ausgetauscht haben.

Bourvil war auch unser Kunde. Er war lustig.

Auch Scheiche kamen zu uns mit ihren Frauen und Kindern. Sie wollten alle gleichzeitig bedient sein.

Wir hatten ein zweites Geschäft in Crans. Damals gehörten Crans und Montana noch nicht zusammen. Es war eleganter und hatte ein teureres Sortiment, mehr Abendschuhe und Golfschuhe zum Beispiel. Manchmal musste den Hotelgästen eine Auswahl Schuhe geliefert werden. Holte man sie am anderen Tag wieder ab, stellte sich heraus, dass die Schuhe getragen worden waren, zu einem Tanzereignis am vorherigen Abend zum Beispiel.

Meldete sich eine Gruppe aus der Hotelfachschule in der Nähe an, hiess uns die Chefin, die Preise auf den Schildern auszuradieren und 10 Prozent teurer zu machen. Kam die Gruppe ins Geschäft, erhielt sie 10 Prozent auf alle Schuhe und alle waren zufrieden.

Einmal kam ein Russe ins Geschäft, der mich auf der Eisbahn Schlittschuhlaufen gesehen hatte. Er sagte dem Chef, er wolle mich dabei filmen. Ich durfte mitgehen und auf der leeren Eisbahn zu Musik meine Künste zeigen. Später bekam ich von dem Mann einen Brief mit einem Foto von mir und der Bemerkung ‘congratulations’.

Die meisten Kunden sprachen französisch aber ich lernte auch ein bisschen Italienisch und Englisch. In der Saison arbeiteten wir sieben Tage in der Woche, am 24. Dezember bis 20 Uhr. Nachher mussten wir noch das Chaos aufräumen, das die Kunden hervorgerufen hatten. Diese Arbeitszeiten galten auch für Lernende.»

 

 

Erstes selbstverdientes Geld

«Ich war als Bub Ausläufer in einer Bieler Firma, die Überkleider produzierte und diese im ganzen Land verschickte. Ich nahm die fertigen Pakete entgegen, lud sie in mein Leiterwägeli und machte mich auf den Weg zur Neumarktpost. Dabei setzte ich mich auf den Rand des Wagens, hielt das Landeli (den Griff) mit den Händen und gab mit dem linken Fuss an. So ging das ganz leicht. Begegnete ich einem Polizisten, so beachtete mich dieser gar nicht. Dabei hätte ich gedacht, dass das vielleicht nicht erlaubt wäre.»

 

 

Wollstrümpfe und Seidenstrümpfe

«Ich ertrug die Wollstrümpfe einfach nicht, ich musste weinen, wenn ich sie anziehen sollte. Sie zwickten mich so schlimm und gaben mir auch nicht warm, das ‘Beissen’ war zu stark. Erst als ich baumwollene Strümpfe zum Daruntertragen bekam, ging es einigermassen.»

«Ich rannte einmal davon und versteckte mich im Keller, als ich die Wollstrümpfe anziehen sollte. Natürlich fand mich meine Mutter und schimpfte. Anziehen musste ich sie dennoch.»

«Ich wollte mich immer kratzen an den Beinen, aber das durfte ich nicht.»

«Am Sonntag gabs weisse Baumwollstrümpfe. Die waren angenehm zum Tragen, aber sie sollten sauber bleiben.»

«Schlimmer waren die weissen Wollstrümpfe mit Zopfmuster.»

«Wir Mädchen hockten uns aufs Bett und flickten unser handgestrickten Strümpfe selber mit Maschenstich.»

«In der Schule gab es ein Mädchen, das als einziges  Nylonstrümpfe trug. Es kam aus einer reichen Familie. Wir nannten es Mademoiselle Nylon. Es wurde geplagt.»

«Feine Strümpfe durfte ich nur am Wochenende anziehen. Sonst gab es handgestrickte Wollstrümpfe.»

«Mein Mueti zog weisse Handschuhe an, um die Seidenstrümpfe anzuziehen.  So heikel waren sie.»

«Die ersten Seidenstrümpfe waren nicht durchsichtig, sondern ein bisschen dicker als die Nylonstrümpfe nachher.»

«Beim Anziehen musste man gut auf die Fussnägel achten, damit sie nicht ein Loch rissen.»

«Gegen Fallmaschen benutzten wir Nagellack. Damit klebten wir die offene Masche fest. »

«Das Fläschchen stand immer parat.»

«Beim Geschäft Tanner an der Bieler Nidaugasse konnte man Seidenstrümpfe zum Flicken bringen. Es gab Frauen, die das in Heimarbeit erledigten. Tanner bot auch Schulungen an für Frauen, die das Flicken lernen wollten.»

«Meine Mutter flickte sie mit einem ganz feinen Häkchen über der Strumpfkugel selber.»

«Die echten Seidenstrümpfe waren teuer. Es gab ein feines Häklein mit einer kleinen Klappe am Spitz. Damit konnte man Laufmaschen hinaufhäkeln. Das war aber eine heikle Arbeit.»

«Sehr chic waren schwarze, ganz dünne Strümpfe mit einer schwarzen Naht und mit schwarzer Ferse.»

«Oder solche mit Schmetterlingen an der Naht. Sie waren ganz heikel zum Anziehen.»

«Immer wollte ich schauen, ob die Naht gerade sass hinten am Bein. Dazu musste ich mich fast verdrehen.»

«Es gab auch feine Netzstrümpfe, die bekamen weniger Fallmaschen, konnten aber ein Loch bekommen.»

«Wir wollten unserem Mueti einen Streich spielen und steckten Kletten in seine Seidenstrümpfe. Wir hatten nicht überlegt, wie dumm das war. Die Kletten rissen Löcher in die Strümpfe und zogen Fäden heraus. Man konnte sie nicht lösen, ohne die kostbaren Strümpfe zu zerreissen. Unser Mueti war so traurig. Wir hatten es nicht böse gemeint. Wir haben uns geschämt.»

«Nach den Seidenstrümpfen kamen die Nylonstrümpfe, die waren ein bisschen solider. In der Fabrik Nylsuisse in Emmen wurden Nylonfäden hergestellt.

«Mit Nagellack geflickte Nylonstrümpfe trugen wir unter Hosen oder unter einem Rock, wo man den Flick nicht sah.»

«Am Anfang befestigten wir die Strümpfe an einem Gstältli, später gab es Miederhöschen. Die waren länger und bedeckten die Haut über dem Strumpf.»

«Ich war froh, als es endlich Strumpfhosen gab. Die waren so viel praktischer.»

«Ich hatte Mühe, mich an die Strumpfhosen zu gewöhnen. Ich fand sie nicht praktisch zum Anziehen.»

 

 

Vom Mädchen zur Frau

«Als ich zum ersten Mal meine Periode hatte, bekam ich eine Art Gstältli, das man um den Bauch festmachte. Mit Knöpfen war daran ein Stück Stoff befestigt, das einen weichen saugfähigen Stoff umhüllte. Dieser nahm das Blut auf. War er vollgesogen, musste ich ihn von Hand auswaschen, bis er wieder weiss war. Nachher kam er in die Kochwäsche.»

«Als ich mein Mueti fragte, wie denn die Kinder aus dem Bauch herauskämen, sagte es, ‘es gibt ein Türli, das geht auf und dann schnell wieder zu, wenn das Kind da ist.’»

«Bei uns gab es ein dickes Buch mit Bildern, das durfte ich aber nicht anschauen.»

«Ich habe ein solches Buch bei mir daheim gefunden. Waren die Eltern auf dem Feld, habe ich es studiert und dann wieder versorgt. »

«Als meine Eltern mal weg waren, suchten mein Bruder und ich das Buch. Wir studierten es und legten es nachher zurück.»

«Als ich die Periode bekam, wollte mir meine Mutter erklären, was das bedeutete. Ich sagte, ich wisse schon alles.»

«Meine Mutter sagte ‘ das hesch jetz jede  Monet.’ Das war ihre Erklärung.»

«Es hiess immer: ‘Du muesch ufpasse’. Aber was das hiess, wussten wir nicht. War das Händegeben gefährlich oder das Küssen?»

«Mich klärte mein Mann auf.»

«Früher hatte man einfach Kinder, so wie sie kamen. Meine Grossmutter hatte 17 Geburten, 13 Kinder lebten.»

«Meine Grossmutter hatte 11 Kinder, 2 starben frühzeitig.»

 

Der Backstein im Handarbeitsunterricht

«Im Handarbeitsunterricht erhielten wir den Auftrag, einen Backstein zu bringen und diesen mit Stoff und weichem Material einzupacken und in die Schule zu bringen. Er würde uns beim Säumen und Nähen dienen.

Meine Freundin und ich gingen zu einer Baustelle im Mühlefeld, wo Einfamilienhäuser am Entstehen waren. Wir erklärten dort unser Anliegen. Um einen Backstein zu kaufen, hatten wir kein Geld. Der Arbeiter wunderte sich ein bisschen über die zwei Schulmädchen und ihren Wunsch und konnte fast nicht glauben, dass es uns wirklich ernst war. Ganz freundlich brachte er uns zwei Backsteine und auch noch weichen Zellstoff, den sie auf der Baustelle vermutlich zum Isolieren brauchten.

Von einem Sattler im Quartier bekamen wir Matratzenstoff. Zuhause polsterte ich den Stein mit Zeitungen und dem Zellstoff und schnitt aus dem Stoff eine passende Hülle. Mein Vater half mir dabei, es war nicht einfach, den harten Stein in ein Handarbeitsgerät zu verwandeln. Die Hülle nähte ich möglichst schön zusammen.

Jetzt steckte ich oben auf dem Stein Stecknadeln hinein und befestigte damit ein Stück Stoff, an welchem es etwas zu nähen gab. So konnte ich beim Nähen ein bisschen am Stoff ziehen, dadurch lag er schön glatt und das Nähen ging einfacher von der Hand. Nach dem Ende der Schulzeit habe ich mein Monogramm auf den Stoff gestickt und den Stein noch viele Jahre behalten.»

«Solche Steine standen bei uns im Handarbeitszimmer im Schrank und wir konnten sie zum Nähen benützen.»

«Zum Nähen habe ich manchmal den Stoff mit Stecknadeln am Tischtuch festgesteckt. Das half auch beim Nähen.»

«In der Arbeitsschule nähten wir ein Nachthemd im Kimonoschnitt und mit Kehrnähten.»

«Auch einen Unterrock haben wir genäht.»

«Oder eine Schürze mit langen gekreuzten Trägern und Knöpfen. Den Latz bestickten wir.»

«Wir mussten eine Schürze nähen, die ein rundes Unterteil mit Volants hatte. Ich hatte Mühe damit. Die Lehrerin meinte dazu, ‘entweder machsch du jetz dä rund Soum oder in nime dir der Bachstei wäg’. Als ich reklamierte sagte sie nur, ‘was hesch du fürne Sproch’. Darauf wusste ich, dass ich jetzt still sein und nähen musste.»

 

Stricken

«Ich habe nicht gerne gestrickt. Erst hier im Fahr habe ich es entdeckt und viel Neues gelernt. Jetzt macht es mir Freude.»
«Wir haben immer stricken müssen. Es gefiel mir nicht besonders, aber für die Kinder habe ich Pulloverli gestrickt oder Halstücher und Mützen.»

«Früher kaufte man nicht Wollknäuel sondern Strangen, die man zuerst zu einem Knäuel aufwickeln musste. Entweder nahmen wir Kinder die geöffnete Strange über beide erhobenen Arme und die Mutter wickelte den Knäuel auf oder sie legte die Strange über eine Stuhllehne.»

«Manchmal versteckte meine Mutter im Innern des Knäuels ein Däfeli. Dann ging das Stricken ein bisschen leichter, weil ich mich darauf freute.»

«Wenn meine Schwester und ich krank waren und im Bett bleiben mussten, animierten wir einander zum Stricken. Wir machten Kleider fürs Bäbi oder kleine Finkli aus einem geraden Stück, das wir zusammennähten.»

 

Schablonen für Monogramme

«Um eine schöne Borte am Oberleintuch zu sticken, benutzten wir eine Monogramm-Schablone aus ganz dünnem Kupferblech. Diese legten wir auf den Stoff und hielten sie fest, benetzten mit einem steifen Pinsel blaue Farbe in einem kleinen Döschen und färbten die Lücken in der Schablone mit der Farbe aus. Nachher lösten wir die Schablone vorsichtig ab und hatten jetzt einen sauber vorgezeichneten Buchstaben auf dem Stoff.   Mit feinem hellblauen Garn stickten wir den Buchstaben auf den Stoff, häufig mit Stilstich.»

«So verzierten wir auch Servietten oder Tischtücher. Schablonen gab es in allen Grössen.»

 

 

Fernsehen

«Wir besassen keinen Fernsehapparat, der kostete zu viel. Mein Onkel hatte eine Idee. Wenn die Kinder ab und zu ein Zwanzigrappenstück bringen würden, könnten sie bei ihm fernsehen. Er mietete bei Evard einen Apparat und befestigte auf der Rückseite ein Kässeli. Dort warfen wir unseren Zwanziger hinein. Nicht alle konnten jedes Mal Geld bringen, aber man durfte auch mal ohne kommen. Es gab auch ein paar Väter, die dem Onkel einen Zustupf zur Miete des Apparats gaben. Fernsehen gabs aber nur bei schlechtem Wetter und wenn die Aufgaben gemacht waren.»

«Wir hatten einen Fernsehapparat, als die Kinder in der Oberstufe waren. Wir schlossen einen Miete/Kaufvertrag ab.»

«Wir bekamen einen Apparat geschenkt, der einen defekten Lautsprecher hatte. Wir sahen darin einfach schwarz-weisse bewegte Bilder.»

«Ich musste den Bildschirm immer mit einem Pinseli abstauben, um die kostbare Oberfläche nicht zu zerkratzen.»

 «Die Fernseher waren riesig und brauchten viel Platz. Obendrauf stand noch eine Antenne, die man ausrichten konnte, wenn der Empfang schlecht war.»

 

Telefonieren

«Als ich ein Kind war, hatten wir wie die meisten Leute kein eigenes Telefon. Wir telefonierten selten mal in einer Telefonkabine.»

«Man telefonierte nur, wenn etwas wirklich wichtig war.»

«Im Nachbarhaus gab es ein Telefon. Ab und zu erhielten wir einen Anruf dorthin und jemand kam uns holen.        In Ausnahmefällen telefonierten wir dort auch.»

«Das erste Telefon in unserer Wohnung war ein schwarzes Wandtelefon. Alle hatten dieses Modell von der PTT. Man musste stehen zum Telefonieren, das Kabel war zu kurz, um sich mit dem Hörer zu setzen.»

«Dieses Wandtelefon hat ganz laut ‘tschäderet’, damit man es auch bei geschlossenen Türen hörte.»

«Als meine Schwester Hebamme wurde, liessen die Eltern ein Wandtelefon installieren. Sie musste immer erreichbar sein.»

 «Die ersten Telefone hatten alle eine runde Wahlscheibe mit Löchern über den Zahlen. Man steckte den Finger zur richtigen Zahl und zog die Scheibe im Uhrzeigersinn bis zum Anschlag. Das gab ein ganz bestimmtes, unvergessliches Geräusch.»

«Meinem Schatz telefonierte ich von einer Kabine aus. Ich legte die Münzen oben auf das Bord und warf sie nach und nach ein, wenn angezeigt wurde, dass das Guthaben bald aufgebraucht war. Meistens klopfte dann jemand von aussen an die Türe, weil ich schon lange am Telefonieren war.»

«In den Telefonkabinen waren alle Telefonbücher der Schweiz nach Kantonen geordnet nebeneinander aufgehängt. Man konnte das gewünschte hinaufdrehen und aufklappen. Wir waren darin geübt, Namen alphabetisch zu suchen.»

«Weil ich noch kein Geld verdiente, machte ich mit meinem Schatz ab, dass er mich um eine bestimmte Zeit in einer bestimmten Kabine anrief. Die Nummer der Kabine hatte ich ihm vorher gegeben. So konnte er den Anruf bezahlen, er verdiente schon Geld.»

«Ich habe meinem Schatz eher geschrieben als telefoniert, weil ich nur über eine Zentrale telefonieren konnte. Dann hiess es manchmal, ‘aha, hat der Schatz wieder angerufen’.»

«Es gab einen Tages- und einen Nachttarif. Abends war das Telefonieren günstiger und man telefonierte wenn möglich dann.»

«Ich kannte die Telefonnummern der Familie und der engsten Freunde auswendig, heute ist das nicht mehr nötig.»

«Auf der runden Wahlscheibe war in der Mitte die eigene Nummer aufgedruckt. Das war praktisch, wenn man diese jemandem mitteilen wollte.»

Foto und Film

«Unser erster Fotoapparat war ein schwarzes Kistli, in welches man von oben hineinschaute.»

«In die Schule kam der Schulfotograf. Er hat uns genau gesagt, wie wir sitzen oder stehen, wie wir die Hände halten und wohin wir schauen sollten. Niemandem wäre es in den Sinn gekommen, nicht zu machen, was er sagte. Er stellte seinen Apparat auf einem Dreibein vor uns auf, verschwand hinter dem schwarzen Tuch und drückte mit der Hand auf den Auslöser, den er in der Hand hielt.»

«Unser Schulfotograf war streng. Einem Mädchen sagte er, es solle die kleinen Haarspangen, die es im Haar hatte, wegnehmen. Er wolle sein Gesicht sehen, nicht seine Spangen.»

«Man hat nicht ständig fotografiert, sondern nur, wenn es sich lohnte, für schöne Erinnerungen an Festen, in den Ferien, auf Ausflügen.»

«Es gab keine Selfies.»

 «Um den Film einzulegen, musste man den Apparat hinten öffnen, den Deckel aufklappen, die metallene Filmrolle am linken Rand einlegen und den Film ein bisschen herausziehen und ihn sorgfältig über die Zähnchen am oberen und unteren Rand legen. Dann den Deckel schliessen und mit einem Hebelchen den Film vorwärts drehen, bis die Nummer 1 in einem kleinen Fenster sichtbar wurde. Das gab ein ganz besonderes Geräusch.»

«Filme zu entwickeln und die Abzüge der Bilder zu machen war teuer.»

«Den belichteten Film brachte ich in die Migros und steckte ihn in einen bereitliegenden Umschlag und schrieb darauf meinen Namen und meine Wünsche. Welche Bildergrösse ich wollte, ob matt oder glänzend, mit oder ohne Rand.»

«Holte man die Fotos ab, war man gespannt, wie die Bilder herausgekommen waren.»

«Das waren alles schwarz/weiss-Bilder.»

«Viele Fotos hatten einen breiten weissen Büttenrand, das heisst, die Aussenkanten waren gewellt. Das sah schön aus.»

«Es ist schön, die alten Bilder anzuschauen und manchmal staune ich, wie ich ausgesehen habe oder welche Kleider wir getragen haben.»

«Am Hochzeitstag gingen mein Mann und ich in das Studio eines Fotografen und er machte das Hochzeitsfoto von uns.»

«Wir hatten einen Fotografen engagiert, der in der Kirche fotografierte. Beim Festessen war er dann nicht mehr dabei. Da filmte mein Mann. Der Fotograf gab uns ein Album mit seinen Fotos. Darin hatte es noch Platz für unsere privaten Bilder.»

 «Mein Mann hat gefilmt. Er war im Filmklub Büren. Dort bekamen sie Filmaufgaben, zum Beispiel einen Film zu machen zum Thema ‘Berg und Tal’. Er filmte dann verschiedene Züge im Seeland und in den Bergen.»

«Wir haben auch Dias gemacht.»

«Ich hatte einen Polaroid-Apparat. Man drückte auf den Auslöser und kurz danach kam vorne durch einen Schlitz das Bild heraus.»

«Später hatte ich eine Instamatic-Kamera. Die war klein und handlich und der Film war in einer Kassette, die man nur einlegen musste.»

«Etwas Besonderes war der Viewmaster. Man legte eine runde Scheibe mit kleinen Bildern darauf in den Apparat und hielt ihn ans Auge. So konnte man die Bilder eins ums andere anschauen, sie waren farbig und leuchteten und wirkten wie echt. Es gab Bilder aus aller Welt, zum Beispiel von der Sahara oder von Tieren.»

«Kino war etwas Aussergewöhnliches. Der riesige dunkle Saal und die bequemen Sitze zum Aufklappen haben mich beeindruckt. Und dann die Filme, zum Beispiel die Gotthelf-Verfilmungen, die schaue ich auch heute noch gern.»

«Kino war auch besonders, weil man fast nie gehen durfte.»

«Der erste Heidi-Film mit Heinrich Gretler ist unvergesslich. Er war so echt, so authentisch und so gut gemacht.»

«Einer meiner ersten Filme war ‘Die Wüste lebt’, den gingen wir mit der Schule schauen.»

«Oder die Sissi-Filme, die schaue ich immer wieder.»

«Laurel und Hardy, Charlie Chaplin, diese Filme waren einfach lustig.»

«Als Kind war ich im FipFop-Klub. Am Mittwochnachmittag wurden im Kino Apollo Filme für Kinder gezeigt. Ich durfte nicht immer gehen, weil es etwas kostete. Aber ich ging sehr gerne hin. Es gab auch ein Bröscheli zum Anstecken für die Mitglieder im FipFop-Klub.»

«Popcorn gab es nicht, niemand von uns hätte vor lauter Aufregung ans Essen gedacht.»

Schnee

«Im Winter 1965 hatte es viel Schnee. Wir machten uns auf, mit dem Auto nach Montana in die Skiferien zu fahren, zusammen mit einem befreundeten Paar und dessen Göttikind. Es schneite stark. Wir verluden das Auto durch den Lötschberg bis Goppenstein. Nachher kamen wir aber nicht weit.

Plötzlich erhob sich vor uns eine riesige Schneemauer. Eine Autospur führte bis zum Rand des Bergs. Offensichtlich war eine Lawine heruntergekommen.

Für uns gab es kein Durchkommen. Wir luden alles Gepäck aus, um die Schneeketten herauszunehmen. Plötzlich donnerte es. Wir standen alle bockstill, wir hatten Panik. Wir fürchteten uns vor einer zweiten Lawine!

Da lachte unser Freund. Hoch oben sah man den Zug fahren. Irgendwie hatte der riesige Schneehaufen den Zuglärm verstärkt.

Erleichtert montierten wir die Ketten ans Auto, wendeten und fuhren zurück nach Goppenstein. Dort wartete man auf uns, hielt einen Zug an und liess uns auffahren. So kamen wir ohne Probleme bis Brig und konnten die Reise fortsetzen. Das Auto vor uns, dessen Spuren wir gesehen hatten, war heil durchgekommen, knapp vor der Lawine.»

«In Chaux-de-Fonds, das auf etwa 1000Meter liegt, hatte es oftmals sehr viel Schnee. Vom Schneeräumen in den Strassen entstanden an den Rändern Riesenberge Schnee. Meine Kinder kletterten gerne hinauf und rutschten dann auf dem Hosenboden runter. Plötzlich weinte mein Mädchen, weil es die Hose zerrissen hatte. Zuhause sahen wir aber, dass es auch blutete. Es hatte sich an einem spitzen Gartenhag verletzt, so hoch lag der Schnee!»

«Die Kinder waren immer ganz nass vom vielen Schnee, wenn sie am Mittag heimkamen. Damals gab es noch keine wasserfesten Kleider wie heute. Über Mittag hängte ich darum alle Radiatoren voll mit den nassen Sachen. Wir hatten nicht so viele Kleider, dass sie sich ganz umziehen konnten.»